bpa-Treffen in Bad Wimpfen: Große Sorge um die Zukunft der ambulanten Pflege

Matthias Leers im Gespräch mit Alexander Flint beim bpa-Treffen in Bad Wimpfen zum Pflegeneuordnungsgesetz

Beim bpa-Treffen Nordwürttemberg am 14. Oktober 2026 in Bad Wimpfen kamen Inhaberinnen und Inhaber ambulanter Pflegedienste, teilstationärer und stationärer Pflegeeinrichtungen zum Austausch über aktuelle Herausforderungen zusammen. Für proindividuum nahmen Geschäftsführerin Aida Leibbrand und Matthias Leers teil. Im Mittelpunkt der Gespräche standen insbesondere die möglichen Auswirkungen des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) auf die ambulante und stationäre Versorgung.

Der bpa hatte das regionale bpa-Treffen bewusst als offenes Forum für aktuelle Themen und Herausforderungen der Pflege angekündigt. Die Diskussion über das PNOG nahm entsprechend breiten Raum ein. Der Verband selbst bewertet den aktuellen Gesetzentwurf weiterhin sehr kritisch und warnt unter anderem vor Wettbewerbsverzerrungen bei der Refinanzierung von Lohnsteigerungen sowie vor Veränderungen bestehender Angebotsstrukturen.

Große Verunsicherung bei den Pflegeunternehmen

Nach Einschätzung von proindividuum wurde bei den Gesprächen eine große Verunsicherung unter den anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmern deutlich. Viele teilen die Sorge des bpa, dass die vorgesehenen Regelungen insbesondere kleinere ambulante Pflegedienste wirtschaftlich erheblich belasten könnten.

Dabei geht es nicht darum, dass hauswirtschaftliche Leistungen generell verboten oder abgeschafft würden. Kritisch ist vielmehr, dass der bisherige Entlastungsbetrag durch ein Sozialraumbudget ersetzt werden soll, das auf niedrigschwellige, nach Landesrecht anerkannte Angebote konzentriert wird. Leistungen professioneller Anbieter sollen stärker anderen Budgets zugeordnet werden. Für ambulante Pflegedienste kann dies bedeuten, dass bisherige Leistungs- und Abrechnungsstrukturen in der Hauswirtschaft erheblich verändert werden.

Auch die Pflegeberatung soll im Zuge der Reform neu strukturiert werden. Aus Sicht vieler ambulanter Dienste ist entscheidend, dass ihre unmittelbare Kenntnis der Versorgungssituation vor Ort und der Lebenssituation von Pflegebedürftigen und Angehörigen auch künftig Bestandteil der Beratung bleibt.

Sorge vor wirtschaftlichen Folgen für kleinere Pflegedienste

Intensiv diskutiert wurde auch die Frage, wie ambulante Pflegeunternehmen ihre wirtschaftliche Zukunft unter veränderten Rahmenbedingungen sichern können. Gerade kleinere und mittelständische Dienste verfügen häufig über deutlich geringere finanzielle Reserven als große Träger. Nach Wahrnehmung von proindividuum rechnen mehrere Teilnehmer damit, dass sich der wirtschaftliche Druck in der ambulanten Pflege weiter verschärfen könnte. Im ungünstigsten Fall könnten zusätzliche Insolvenzen und Marktaustritte die Folge sein.

Für Pflegebedürftige und Angehörige wäre dies besonders problematisch. Wenn ambulante Dienste ihre Angebote reduzieren oder ganz einstellen müssen, wird es schwieriger, kurzfristig einen Pflegedienst zu finden und eine verlässliche Versorgung im eigenen Zuhause sicherzustellen.

Unterstützung für die Positionen des bpa

Bei dem Treffen wurde nach Wahrnehmung von proindividuum eine breite Unterstützung für die aktuellen Aktivitäten des bpa deutlich. Der Verband fordert im weiteren parlamentarischen Verfahren Nachbesserungen und setzt sich insbesondere gegen eine aus seiner Sicht ungleiche Refinanzierung von Gehaltssteigerungen und gegen eine Schwächung bestehender Versorgungsstrukturen ein. Für proindividuum ist deshalb klar: Die Reform der Pflegeversicherung ist notwendig, darf aber nicht dazu führen, dass wirtschaftlich tragfähige ambulante Versorgungsangebote verloren gehen.

„Die Gespräche in Bad Wimpfen haben gezeigt, dass die Sorgen keineswegs nur einzelne Unternehmen betreffen. Viele Inhaber und Geschäftsführungen sehen erhebliche Risiken für ihre zukünftige wirtschaftliche Handlungsfähigkeit. Wir unterstützen deshalb die Bemühungen des bpa, im parlamentarischen Verfahren noch substanzielle Nachbesserungen zu erreichen“, so proindividuum.

Austausch über mögliche Zukunftsstrategien beim bpa-Treffen

Neben der Kritik an den gesetzlichen Rahmenbedingungen ging es beim Treffen auch darum, welche Handlungsmöglichkeiten Pflegeunternehmen selbst haben. Diskutiert wurden unter anderem mögliche Anpassungen von Leistungsangeboten, eine stärkere wirtschaftliche Steuerung sowie die Frage, wie bestehende Versorgungsstrukturen unter veränderten gesetzlichen Bedingungen erhalten werden können. Für proindividuum bleibt dabei entscheidend, die weitere Entwicklung des PNOG eng zu verfolgen und gleichzeitig frühzeitig zu prüfen, welche strategischen Anpassungen notwendig werden könnten.

Auf dem Bild ist Matthias Leers beim bpa-Treffen im Gespräch mit Alexander Flint, Betreiber des Seniorenheims Kronenhof in Großerlach. Flint betreibt die Einrichtung gemeinsam mit seiner Familie und ist selbst langjährig in der stationären Pflege tätig. Flint gilt innerhalb des bpa Landesvorstandes Baden-Württemberg, als Vertreter der stationären Pflegeeinrichtungen, wichtigen Sprecher des Vorstandes, der auch nicht vor klaren und drastischen Maßnahmen zurückschreckt, um für die Belange der Pflege einzustehen. So platzierte Flint im vergangenen Jahr die Koffer eines seiner Patienten direkt vor dem Landratsamt Heilbronn, um dessen schlechte Zahlungsmoral aufmerksam zu machen. Eine Aktion die für bundesweites Aufsehen sorgte.

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