Der regelmäßige Austausch der bpa Heilbronn-Franken fand am Mittwoch, 06.Mai 2026 in Bad Wimpfen statt. Im Mittelpunkt der Sitzung standen die aktuellen gesetzlichen Entwicklungen auf Bundesebene und deren mögliche Auswirkungen auf ambulante und stationäre Pflegeanbieter. Besonders intensiv diskutiert wurde das geplante GKV-Stabilisierungsgesetz, das aus Sicht vieler Pflegeanbieter erhebliche wirtschaftliche Risiken für die regionale Versorgung mit sich bringen kann.
Von proindividuum nahm Matthias Leers, Assistent der Geschäftsführung, an der Sitzung teil. Für proindividuum ist der fachliche Austausch innerhalb der bpa Regionalgruppe Heilbronn-Franken ein wichtiger Bestandteil der eigenen politischen und fachlichen Orientierung. Gerade in einer Zeit, in der gesetzliche Veränderungen die Pflegebranche stark betreffen, ist der direkte Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen aus anderen Einrichtungen besonders wertvoll.
GKV-Stabilisierungsgesetz sorgt bei bpa Heilbronn-Franken für Unverständnis
Ein zentrales Thema der Sitzung war die geplante Begrenzung der Refinanzierung von Tarifsteigerungen. Laienverständlich bedeutet das: Pflegeeinrichtungen sind gesetzlich verpflichtet, ihre Mitarbeitenden tariforientiert beziehungsweise nach gesetzlich definierten Maßstäben zu bezahlen. Wenn Löhne in der Pflege steigen, müssen Pflegedienste diese Erhöhungen grundsätzlich umsetzen. Gleichzeitig sieht der aktuelle politische Ansatz vor, dass die Refinanzierung solcher Kostensteigerungen künftig nur noch begrenzt erfolgen soll.
Konkret soll sich die Erstattung steigender Vergütungen nicht mehr vollständig an den tatsächlichen Tarifsteigerungen in der Pflege orientieren, sondern an der allgemeinen Entwicklung der sogenannten Grundlohnsumme. Diese Grundlohnsumme beschreibt vereinfacht die allgemeine Lohnentwicklung, auf deren Basis sich die Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung entwickeln. Das Problem aus Sicht der Pflegeanbieter: Tarifsteigerungen in der Pflege können höher ausfallen als diese allgemeine Entwicklung. Die entstehende Lücke würde dann bei den Pflegeeinrichtungen hängen bleiben.
Genau dieser Widerspruch sorgte bei den Teilnehmenden der Regionalgruppe des bpa Heilbronn-Franken für großes Unverständnis. Einerseits wird von Pflegeeinrichtungen erwartet, dass sie faire und tariforientierte Löhne zahlen. Andererseits soll die vollständige Refinanzierung dieser gesetzlich vorgegebenen Personalkosten eingeschränkt werden. Für viele Einrichtungen stellt sich damit die Frage, wie gute Pflege, faire Bezahlung und wirtschaftliche Stabilität dauerhaft zusammengebracht werden sollen.
bpa Heilbronn-Franken: Private Pflegeanbieter wollen regional informieren
Die Teilnehmenden der bpa Heilbronn-Franken waren sich einig, dass die Auswirkungen des geplanten GKV-Stabilisierungsgesetzes nicht nur intern diskutiert werden dürfen. Deshalb werden die regionalen privaten Pflegeanbieter ihre Bundes- und Landtagsabgeordneten informieren und zu Gesprächen einladen.
Ziel ist es, den politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern die praktischen Folgen aus Sicht der Pflege vor Ort deutlich zu machen. Denn viele gesetzliche Regelungen klingen auf dem Papier abstrakt. In der Praxis entscheiden sie aber darüber, ob Pflegeeinrichtungen wirtschaftlich stabil arbeiten, Personal halten, neue Patientinnen und Patienten aufnehmen und Versorgung zuverlässig organisieren können.
Gerade die ambulante Pflege ist in besonderem Maße auf verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen. Pflege findet hier nicht in einer geschlossenen Einrichtung statt, sondern täglich in vielen einzelnen Haushalten, mit Tourenplanung, Fahrtzeiten, kurzfristigen Veränderungen und hoher Verantwortung gegenüber Patientinnen, Patienten und Angehörigen. Wenn wirtschaftliche Spielräume weiter eingeschränkt werden, wirkt sich das unmittelbar auf die Versorgungsfähigkeit aus.
Weitere Infos zum geplanten Gesetzesvorhaben finden Sie hier …
Austausch unter Kolleginnen und Kollegen ist wertvoll
Neben den politischen Themen bot die Sitzung der Regionalgruppe bpa Heilbronn-Franken wieder einmal Raum für den Austausch über alltägliche Fragen der Pflegepraxis. Genau dieser Teil ist für viele Teilnehmende besonders hilfreich. Denn viele Herausforderungen betreffen nicht nur einzelne Einrichtungen, sondern die Branche insgesamt: Personalgewinnung, Organisation, Abrechnung, Digitalisierung, Bürokratie, Kommunikation mit Kostenträgern und die steigenden Anforderungen im Pflegealltag.
Für proindividuum ist es deshalb wichtig, Teil dieses Netzwerks zu sein. Matthias Leers betonte im Nachgang der Sitzung, dass der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen sehr bereichernd sei. „Gerade bei komplexen politischen Themen wie dem GKV-Stabilisierungsgesetz hilft es, die Einschätzungen anderer Pflegeanbieter zu hören und gemeinsam zu überlegen, wie wir unsere Anliegen sachlich und wirksam in die Politik tragen können“, so Leers
Pflege braucht verlässliche politische Rahmenbedingungen
Die Diskussion in Bad Wimpfen machte deutlich, wie eng politische Entscheidungen und die konkrete Versorgung vor Ort miteinander verbunden sind. Pflegeanbieter übernehmen Verantwortung für Patientinnen und Patienten, Mitarbeitende und regionale Versorgungsstrukturen. Damit sie diese Verantwortung dauerhaft tragen können, brauchen sie gesetzliche Regelungen, die fachlich nachvollziehbar und wirtschaftlich tragfähig sind.
Eine Stabilisierung der Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung darf nicht dazu führen, dass die wirtschaftlichen Risiken auf Pflegeeinrichtungen verlagert werden. Wenn gesetzlich verpflichtende tariforientierte Bezahlung politisch gewollt ist, muss auch die Refinanzierung dieser Kosten gesichert bleiben.
proindividuum unterstützt deshalb den gemeinsamen Austausch innerhalb der bpa Regionalgruppe Heilbronn-Franken und die geplante Information der politischen Mandatsträgerinnen und Mandatsträger. Nur wenn die Praxis vor Ort gehört wird, können politische Entscheidungen die tatsächlichen Bedingungen in der Pflege angemessen berücksichtigen.