Der Internationale Tag der Pflege am 12. Mai 2026 steht erneut im Zeichen großer Herausforderungen für die Pflege. Unter dem Motto „Pflegereform: Nicht reden. Handeln!“ haben Pflegefachkräfte, Trägervertreterinnen und Trägervertreter sowie zahlreiche Akteure der Pflegebranche in Berlin auf die angespannte Lage in der Pflege aufmerksam gemacht. Auch proindividuum nimmt den Tag der Pflege zum Anlass, auf die Situation ambulanter Pflegedienste und die dringend notwendigen politischen Weichenstellungen hinzuweisen.
Pflege ist für viele Menschen nicht abstrakt, sondern Teil ihres Alltags. Sie findet in stationären Einrichtungen, in Kliniken und in besonderem Maße auch zu Hause statt. Gerade ambulante Pflegedienste sichern Versorgung dort, wo Menschen leben: in der eigenen Wohnung, im vertrauten Umfeld, nah an Angehörigen und persönlichen Strukturen. Damit diese Versorgung auch künftig verlässlich möglich bleibt, braucht es mehr als öffentliche Wertschätzung. Es braucht Rahmenbedingungen, die Personal sichern, Pflegekräfte entlasten und wirtschaftlich tragfähige Pflege langfristig ermöglichen. Gerade die privaten Pflegedienste spielen hier eine wichtige Rolle für die Versorgung unserer kranken und älteren Bevvölkerung.
Pflege braucht mehr als Anerkennung am Tag der Pflege
Zum Tag der Pflege wird jedes Jahr zurecht auf die besondere Leistung der Pflegekräfte hingewiesen. Diese Anerkennung ist wichtig. Sie reicht aber nicht aus. Die Pflegeanbieter steht seit Jahren unter erheblichem Druck: Fachkräftemangel, steigende Anforderungen, zunehmende Bürokratie, wirtschaftliche Unsicherheit und immer komplexere Versorgungsbedarfe prägen den Alltag vieler ambulanter und stationärer Pflegedienste.
Viele Unternehmerinnen und Unternehmer in der Pflege kommen selbst aus der Pflegepraxis. Sie wissen aus eigener Erfahrung, was gute Versorgung bedeutet und wo politische Vorgaben im Alltag tatsächlich ankommen. Für proindividuum ist deshalb klar: Wer über Pflegepolitik spricht, muss die Perspektive der Menschen einbeziehen, die täglich Verantwortung in der Versorgung übernehmen: Pflegende Angehörige, Mitarbeitende und Pflegedienstanbieter.
Aida Leibbrand, Geschäftsführerin der proindividuum GmbH, betont, dass Pflege nicht dauerhaft durch zusätzliche Belastungen stabilisiert werden könne. „Pflege braucht verlässliche Entscheidungen, weniger Bürokratie und eine Finanzierung, die gute Arbeit auch tatsächlich möglich macht“, so Leibbrand. Von politischer Wertschätzung allein könne man keine Pflegeleistung bezahlen. Das dies die Bedeutung der Pflege in der Politik nicht deutlich gesehen werde, zeige sich an den jüngsten Vorschlägen zur Reform. „Wer Tariftreue fordert und Tarifgehälter dann nicht bezahlt, der reformiert die Pflege auf dem Rücken der Leistungserbringer, macht Leibbrand deutlich.
Personalsicherung bleibt die zentrale Zukunftsfrage
Eine der größten Herausforderungen bleibt die Sicherung von Personal. In den kommenden Jahren werden viele erfahrene Pflegefachkräfte in den Ruhestand gehen. Gleichzeitig wird der Pflegebedarf weiter steigen. Für ambulante Pflegedienste bedeutet das: Sie müssen Mitarbeitende gewinnen, halten und im Alltag entlasten, während die Anforderungen an Organisation, Dokumentation und Qualität weiter wachsen.
Aus Sicht von proindividuum muss Pflegepolitik deshalb konsequent bei der Personalsicherung ansetzen. Dazu gehört eine bessere Anerkennung internationaler Pflegefachkräfte ebenso wie eine am Bedarf und den Anforderungen der Praxis orientierte Ausbildung. Wer Versorgungssicherheit will, muss dafür sorgen, dass Menschen schneller, verlässlicher qualifiziert werden und mit weniger bürokratischen Hürden in der Pflege tätig sein können.
Gerade im ambulanten Bereich ist Personal nicht beliebig ersetzbar. Pflegekräfte arbeiten nah an den Patientinnen und Patienten, kennen ihre Lebenssituation, erkennen Veränderungen und übernehmen Verantwortung im direkten Kontakt mit den Menschen. Diese Arbeit erfordert Fachwissen, Erfahrung, Haltung und Vertrauen.
Bürokratieabbau und Digitalisierung müssen im Alltag wirken
Ein weiterer zentraler Punkt ist der Abbau von Bürokratie. Pflegekräfte sollen für Patientinnen und Patienten da sein können. Wenn ein wachsender Teil der Arbeitszeit durch Dokumentation, Abstimmungen, Nachweise und Verwaltungsaufwand gebunden wird, fehlt diese Zeit in der Versorgung.
Digitalisierung kann hier helfen, aber nur, wenn sie praxistauglich umgesetzt wird. Digitale Lösungen dürfen nicht zusätzliche Arbeit erzeugen, sondern müssen Abläufe vereinfachen, Informationen besser verfügbar machen und Doppelarbeit reduzieren. Dafür braucht es klare Regeln, sichere Schnittstellen und eine Finanzierung, die Pflegeeinrichtungen nicht alleinlässt.
Für proindividuum ist Digitalisierung kein Selbstzweck. Sie muss den Pflegealltag entlasten, die Zusammenarbeit verbessern und die Qualität der Versorgung unterstützen. Gerade ambulante Pflegedienste brauchen digitale Strukturen, die Tourenplanung, Dokumentation, Kommunikation und Abrechnung sinnvoll miteinander verbinden.
Gute Löhne brauchen sichere Refinanzierung
Ein besonders wichtiger Punkt ist die Finanzierung guter Arbeitsbedingungen. Politik und Gesellschaft erwarten zurecht, dass Pflegekräfte fair bezahlt werden. Gleichzeitig müssen Pflegeeinrichtungen diese Löhne auch refinanzieren können. Wenn gesetzlich tariforientierte Vergütung verlangt wird, muss die vollständige Refinanzierung dauerhaft gesichert bleiben.
proindividuum sieht deshalb aktuelle politische Überlegungen kritisch, die Refinanzierung von Tarifsteigerungen im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung zu begrenzen. Gute Löhne sind ein wichtiger Baustein, um Pflegeberufe attraktiv zu halten. Werden diese Löhne politisch gewollt, aber wirtschaftlich nicht ausreichend hinterlegt, entsteht ein Widerspruch zulasten der Pflegeeinrichtungen und letztlich auch zulasten der Versorgung.
Aida Leibbrand macht deutlich, dass faire Bezahlung und Versorgungssicherheit zusammengehören. Gute Pflege brauche Mitarbeitende, die ihre Arbeit verlässlich, qualifiziert und mit beruflicher Perspektive leisten können. Dafür müssten die finanziellen Rahmenbedingungen stimmen. Andernfalls werde die Pflege weiter geschwächt, obwohl sie politisch immer wieder als unverzichtbar bezeichnet werde.
Ambulante Pflege ist Teil der Daseinsvorsorge
Für proindividuum ist dabei besonders wichtig, die ambulante Versorgung mitzudenken. Sie ermöglicht vielen Menschen, trotz Pflege- oder Unterstützungsbedarf zu Hause zu leben. Sie entlastet Angehörige, stabilisiert familiäre Versorgungssituationen und trägt dazu bei, Krankenhausaufenthalte oder stationäre Aufnahmen zu vermeiden. Gerade in Zeiten in denen Familienstrukturen nicht mehr gefestigt sind, weil Angehörige, Kinder oft nicht am gleichen Ort wohnen ist dies besonders wichtig.
Ambulante Pflegedienste sind Teil der regionalen Gesundheitsinfrastruktur, Arbeitgeber, Ansprechpartner für Angehörige und wichtiger Bestandteil der Versorgung vor Ort. In Ilsfeld habe man erfahren, welche Folgen ein fehlender Pflegedienst haben kann. Wenn politische Entscheidungen diese Strukturen zusätzlich belasten, hat das direkte Folgen für Patientinnen und Patienten, Familien und Kommunen.
proindividuum unterstützt deshalb die Forderung nach echten Reformen in der Pflege. Notwendig sind konkrete Schritte: weniger Bürokratie, bessere Personalsicherung, praxistaugliche Digitalisierung, verlässliche Finanzierung und eine Politik, die die Realität der Pflege vor Ort ernst nimmt.
Der Internationale Tag der Pflege sollte deshalb nicht nur ein Tag des Dankes sein. Er sollte ein Anlass sein, endlich verbindlich zu handeln.