„Pflege und Gesundheit zukunftsfest machen“ war am Sonntag, 08. Februar 2026, der Titel einer Diskussionsveranstaltung zur Pflegepolitik im Schloss Horneck in Gundelsheim. Die Veranstaltung stand für einen Austausch, den die Pflege dringend braucht: direkt, konkret und mit Blick auf das, was im Alltag funktioniert. Eingeladen hatte die CDU-Landtagsabgeordnete Isabell Huber (MdL); zu Gast war Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (MdB). Für proindividuum war Matthias Leers, Assistent der Geschäftsführung, als Gast vor Ort. Für uns ist dieser Dialog wichtig, weil Pflege nicht von Absichtserklärungen lebt, sondern von Rahmenbedingungen, die Versorgung stabilisieren und Teams entlasten. Genau darum geht es, wenn wir Pflege und Gesundheit zukunftsfest machen wollen. Wir müssen der Politik gegenüber klar unsere Forderungen artikulieren.
Bürokratie bei der Fachkräftegewinnung
Im Zentrum der Diskussion standen Themen, die Pflegeeinrichtungen nicht theoretisch kennen, sondern täglich erleben. Ein Punkt war die Bürokratie rund um die Gewinnung und Einstellung ausländischer Pflegekräfte. In der Praxis sind es lange Verfahren, wechselnde Anforderungen und unklare Zuständigkeiten, die Einstellungen verzögern und Ressourcen binden. Wer Pflege und Gesundheit zukunftsfest machen will, muss Verfahren so gestalten, dass sie schnell, nachvollziehbar und praxistauglich sind. Sonst verpufft jede politische Ankündigung dort, wo sie eigentlich Wirkung entfalten sollte: in der Versorgung und in der Entlastung der Teams.
Zahlungsmoral der Sozialämter wird immer schlechter
Ein zweiter Schwerpunkt war die Verlässlichkeit von Zahlungswegen, insbesondere im Kontext der Sozialämter. Wenn Zahlungen verspätet eintreffen oder Abwicklungen schwer planbar sind, ist das für Einrichtungen kein Randproblem, sondern ein betrieblicher Risikofaktor. Dann wächst Verwaltung, es entstehen zusätzliche Abstimmungen, und am Ende wird Zeit gebunden, die eigentlich für Pflege da sein muss. Pflege und Gesundheit zukunftsfest machen heißt deshalb auch, dass finanzielle Abläufe verlässlich und planbar funktionieren müssen – nicht als „Bonus“, sondern als Grundlage für Versorgungssicherheit.
Telematik-Infrastruktur darf kein Flickenteppich sein
Ein weiterer zentraler Diskussionsstrang war die Digitalisierung in der Versorgung, insbesondere die Umsetzung der Telematik-Infrastruktur. Pflegeeinrichtungen investieren in Technik, Prozesse und Schulung, um diese Anforderungen umzusetzen. Gleichzeitig entsteht in der Praxis Frust, wenn andere Leistungserbringer nicht im gleichen Tempo nachziehen oder wenn Schnittstellen nicht sauber funktionieren. Die Folge sind Medienbrüche, zusätzliche Rückfragen und Doppelarbeit – also genau das Gegenteil von Entlastung. Pflege und Gesundheit zukunftsfest machen gelingt digital nur dann, wenn Standards verbindlich, interoperabel und für alle Beteiligten gleichermaßen wirksam sind. Sonst bleibt Digitalisierung Stückwerk, das die Arbeit eher erschwert, statt sie zu vereinfachen.
Pflegepolitik: warum der Zeitpunkt zählt
An der Veranstaltung nahmen zahlreiche Vertreter privater Pflegeanbieter teil. Auch der bpa nahm an der Veranstaltung teil; Jan Griese, Geschäftsführer Schönberg Seniorenpflege und Landesvorstand der bpa-Landesgruppe Baden-Württemberg vertrat die Positionen unserer Einrichtungen in aller Deutlichkeit. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen ist für proindividuum ein pragmatischer Abgleich: Wo liegen die gemeinsamen Interessen, wo brauchen wir klare politische Botschaft und welche Lösungen brauchen wir von der Politik, egal ob Regional-, Landes- oder Bundespolitik?
Der Zeitpunkt macht diesen Dialog zusätzlich relevant. In Baden-Württemberg wird am 08. März 2026 ein neuer Landtag gewählt. In Wahlkampfphasen ist Aufmerksamkeit grundsätzlich höher – aber sie ist auch kurzlebig und häufig von Schlagworten geprägt. Umso wichtiger ist, dass die Pflege mit konkret benennbaren Punkten präsent ist, die sich im Alltag messen lassen: weniger Bürokratie, verlässliche Zahlungswege und digitale Standards, die tatsächlich durchgängig funktionieren. Pflege und Gesundheit zukunftsfest machen ist in diesem Kontext kein Slogan, sondern eine Erwartung an Politik und Verwaltung, die sich an der Realität der Versorgung prüfen lassen muss.
Pflegedialog: Persönlicher Austausch mit der Bundesgesundheitsministerin
Für proindividuum war zudem wichtig, dass Matthias Leers im Rahmen der Veranstaltung persönlich mit Bundesgesundheitsministerin Nina Warken sprechen konnte. Dieses Gespräch war aus unserer Sicht deshalb wertvoll, weil es Raum für die konkreten Details aus dem Pflegealltag schafft: Wo entstehen unnötige Schleifen? Welche Prozesse bremsen Fachkräftegewinnung aus? Wo erzeugen digitale Brüche Mehrarbeit? Pflege und Gesundheit zukunftsfest machen heißt auch, genau diese Praxisdetails zu kennen, ernst zu nehmen und in politische Entscheidungen und Konzepte einzubeziehen.
In diesem Sinne ordnet Matthias Leers den Vormittag so ein: „Pflege und Gesundheit zukunftsfest machen gelingt nur, wenn die Realität der Pflegeeinrichtungen konsequent ernst genommen wird. Wir brauchen weniger Bürokratie bei der Fachkräftegewinnung, verlässliche Zahlungsprozesse und digitale Standards, die über alle Leistungserbringer hinweg funktionieren“, so Leers. Der Austausch mit Politik und mit Kolleginnen und Kollegen aus der Branche sei dafür unverzichtbar – gerade jetzt vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg.
Dank an die Veranstalter
Ein herzlicher Dank gilt Dienste für Menschen (DfM) sowie Rainer Freyer (Geschäftsführer) und Sylvia Beckmann (Regionalleitung Heilbronner Unterland), die die Veranstaltung bei sich in Gundelsheim durchgeführt haben und hierfür Raum geschaffen haben. Solche Formate sind wichtig, weil sie die Perspektive aus der Praxis bündeln und den Blick auf das lenken, was jetzt zählt: Pflege und Gesundheit zukunftsfest machen, indem Versorgungssicherheit im Alltag endlich leichter wird – nicht komplizierter.