Gudula Achterberg besucht proindividuum erneut: private ambulante Pflegedienste stehen vor existenziellen Herausforderungen

Achterberg besucht proindividuum

Die Landtagsabgeordnete Gudula Achterberg, Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis Heilbronn, besuchte am 19. August 2026 erneut den ambulanten Pflegedienst proindividuum in Heilbronn. Nach ihrem Besuch im Jahr 2024 kommt sie damit bereits zum zweiten Mal zu proindividuum, um Einblicke in die praktische Arbeit eines ambulanten Pflegedienstes zu erhalten und den Austausch mit der Pflegepraxis fortzuführen.

Der Besuch findet im Rahmen der bpa-Initiative „Politik trifft auf Pflege“ statt. Die Initiative des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste e. V. fördert den direkten Austausch zwischen politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern und den Mitgliedsdiensten des bpa. Ziel ist es, politische Rahmenbedingungen nicht nur abstrakt zu diskutieren, sondern im konkreten Pflegealltag erlebbar zu machen.

Gudula Achterberg besucht proindividuum erneut

Bereits 2024 hatte Gudula Achterberg Pflegekräfte von proindividuum begleitet und dabei Einblicke in die täglichen Herausforderungen der ambulanten Pflege erhalten. Auch 2026 steht der Praxisaustausch im Mittelpunkt. Geplant sind Gespräche mit der Geschäftsführung, Mitarbeitenden und Verantwortlichen des Pflegedienstes. Dabei soll deutlich werden, was ambulante Pflege jeden Tag leistet, welche Belastungen die Teams tragen und welche politischen Entscheidungen die Versorgung vor Ort unmittelbar beeinflussen.

PNOG als zentrales Thema des Austauschs

Ein Schwerpunkt des diesjährigen Besuchs ist das geplante Pflegeneuordnungsgesetz, kurz PNOG. Der Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste – bpa –  und proindividuum haben in den vergangenen Wochen bereits mehrfach über die geplanten gesetzlichen Änderungen und mögliche Folgen für Pflegebedürftige, Angehörige, Mitarbeitende und ambulante Pflegedienste informiert.

Aus Sicht von proindividuum und ihres Verbandes bpa ist das PNOG derzeit der größte politische Schmerzpunkt für die ambulante Pflege. In der aktuellen Ausrichtung droht das Gesetz bewährte Strukturen zu schwächen, statt die häusliche Versorgung zu stabilisieren. Besonders kritisch sieht proindividuum mögliche Veränderungen bei Pflegegrad 1, Entlastungsleistungen, Pflegeberatung, der Refinanzierung von Gehältern und der wirtschaftlichen Grundlage kleinerer privater Pflegedienste.

Ambulante Pflege funktioniert nicht als einzelne Leistung. Sie ist ein Zusammenspiel aus Pflege, Beratung, Betreuung, Organisation, Angehörigenarbeit, Personalführung und wirtschaftlicher Verantwortung. Wenn einzelne Bausteine herausgelöst, gekürzt oder verlagert werden, wird dies das gesamte System schwächen und unweigerlich zu weiteren Insolvenzen gerade bei den zahlreichen privaten Anbietern im ländlichen Raum führen.

Beratung, Entlastung und Pflegegrad 1 sind tragende Bausteine

Besonders sensibel ist aus Sicht von proindividuum der Bereich Pflegegrad 1. Für viele Pflegebedürftige und ihre Angehörigen ist Pflegegrad 1 der erste Zugang zu professioneller Unterstützung. Häufig geht es hier um frühe Beratung, Orientierung, Entlastung und Hilfe im Alltag. Gerade diese frühen Unterstützungsangebote können dazu beitragen, Angehörige zu entlasten und eine Versorgung zu Hause zu stabilisieren.

Wenn Pflegegrad-1-Strukturen eingeschränkt werden, trifft dies nicht nur einzelne Pflegebedürftige. Es kann auch dazu führen, dass professionelle ambulante Dienste später eingebunden werden, Angehörige länger allein bleiben und Versorgungssituationen schneller instabil werden.

Ebenso kritisch bewertet proindividuum eine mögliche Verlagerung bewährter Beratungsleistungen weg von ambulanten Diensten hin zu Pflegekassen oder kommunalen Strukturen. Pflegeberatung ist mehr als Information über Leistungsansprüche. Gute Beratung lebt von praktischer Erfahrung, Kenntnis der häuslichen Situation und dem Blick dafür, was Pflegebedürftige und Angehörige im Alltag tatsächlich brauchen. Aus diesem Grund werden bei proindividuum ausschließlich erfahrene und langjährig ausgebildete Pflegefachkräfte für die Beratung eingesetzt.

Wenn Beratungsleistungen an anderer Stelle neu aufgebaut werden, besteht zudem die Gefahr, dass Pflegefachkräfte aus der direkten Versorgung abwandern. Gleichzeitig sind die notwendigen praktischen Kompetenzen dort nicht automatisch vorhanden. Aus Sicht von proindividuum würde damit ein bestehendes funktionierendes System geschwächt, um neue Strukturen mit zusätzlichem Aufwand aufzubauen. Dies ohne die zeitlichen und fachlichen Ressourcen im kommunalen Bereich zur Verfügung stellen zu können.

Kleine private Pflegedienste besonders unter Druck

Der bpa sieht insbesondere erhebliche Risiken für kleinere private ambulante Pflegedienste. „Viele dieser Dienste sind regional verwurzelt, mittelständisch organisiert und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung vor Ort. Gerade sie sind aber darauf angewiesen, dass verschiedene Leistungsbereiche zusammenwirken und wirtschaftlich tragfähig refinanziert werden“, so Sven Schumacher, Landesbeauftragter des bpa Baden-Württemberg.

Wenn einzelne Leistungen wie die Hauswirtschaft wegfallen, Entlastungsangebote eingeschränkt, Beratungsanteile verlagert und Gehaltssteigerungen nicht fair refinanziert werden, geraten kleine private Dienste besonders unter Druck. Das kann nicht nur Unternehmen und Arbeitsplätze gefährden, sondern auch die pflegerische Versorgung in der Region verschlechtern.

Für den bpa ist deshalb klar: Wer ambulante Dienste wirtschaftlich schwächt, gefährdet am Ende die Versorgung zu Hause. Pflegepolitik darf nicht als reines Sparprogramm angelegt werden. Sie muss die Versorgung von pflegebedürftigen Menschen, die Entlastung von Angehörigen und die Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden gemeinsam im Blick behalten. Der größte Anteil der häuslichen Pflege wird immer noch von Frauen, den Töchtern und Schwiegertöchtern geleistet. Weitere Leistungen auf deren Schultern abzuladen ist auch gesellschaftspolitisch kritisch zu sehen.

Austausch mit Landespolitik und bpa

Als Landtagsabgeordnete kann Gudula Achterberg das Bundesgesetz nicht allein verändern. Dennoch ist der Austausch mit ihr wichtig. Baden-Württemberg ist über den Bundesrat in Gesetzgebungsverfahren eingebunden. Zudem können regionale Abgeordnete politische Diskussionen auf Landes- und Bundesebene mitprägen und die Perspektive der Praxis weitertragen.

Der Besuch bietet deshalb die Gelegenheit, die Sorgen ambulanter Pflegedienste direkt zu erläutern. Dabei geht es nicht um parteipolitische Zuspitzung, sondern um die Frage, wie Pflegebedürftige und Angehörige in Heilbronn, Ilsfeld und der Region auch künftig verlässlich zu Hause unterstützt werden können.

Gudula Achterberg MdL betont: „Der direkte Austausch mit Pflegekräften, Geschäftsführung und Patientinnen und Patienten ist wichtig, um politische Entscheidungen an der Praxis zu messen. Ambulante Pflegedienste leisten jeden Tag einen zentralen Beitrag zur Versorgung zu Hause. Deshalb ist es notwendig, ihre Erfahrungen und Hinweise ernst zu nehmen und in die politische Diskussion einzubringen.“ Dabei bedankte sich Achterberg auch noch einmal in aller Form bei proindividuum und dem bpa, dass sie die Möglichkeit hatte auch mit Patienten zu sprechen.

Aida Leibbrand, Geschäftsführerin der proindividuum GmbH, erklärt: „Wir freuen uns, dass Gudula Achterberg erneut zu uns kommt und sich Zeit für den Pflegealltag nimmt.“ Der größte Schmerzpunkt sei derzeit das geplante Pflegeneuordnungsgesetz. Wenn Entlastungsleistungen, Beratung, Pflegegrad-1-Strukturen und die wirtschaftliche Refinanzierung ambulanter Dienste geschwächt werden, trifft das besonders kleinere private Pflegedienste. „Das gefährdet nicht nur die zahlreichen privaten Pflegeanbieter und Arbeitsplätze, sondern auch die pflegerische Versorgung in der Region“, stellt Leibbrand klar.

Appell an die regionale Politik

proindividuum verbindet den Besuch mit einem klaren Appell an die regionalen Abgeordneten: Die geplante Pflegereform darf im weiteren Gesetzgebungsverfahren nicht einfach durchgewunken werden. Wer einer Reform zustimmt, muss auch die Folgen für Pflegebedürftige, Angehörige, Mitarbeitende und Pflegedienste in der eigenen Region mitverantworten.

Mit dem Wechsel an der Spitze des Bundesgesundheitsministeriums besteht zudem die Möglichkeit, die bisherigen Planungen noch einmal sorgfältig zu überprüfen. proindividuum hofft, dass das Ministerium die Einwände aus der Pflegepraxis ernst nimmt und den Entwurf vor dem weiteren Verfahren im Herbst nachbessert. Pflegepolitik muss im Alltag funktionieren. Sie muss Menschen entlasten, die zu Hause gepflegt werden. Sie muss Angehörige unterstützen. Sie muss Mitarbeitende in der Pflege halten. Und sie muss ambulanten Diensten ermöglichen, wirtschaftlich stabil und fachlich verlässlich zu arbeiten.

Eine Reform der Pflegeversicherung ist notwendig. Sie darf aber nicht dazu führen, dass funktionierende ambulante Strukturen geschwächt werden. proindividuum wird die politische Entwicklung deshalb weiter aufmerksam begleiten und die Auswirkungen für die regionale Versorgung verständlich einordnen. Aida Leibbrand, Geschäftsführerin von proindividuum, begrüßte unter diesem Aspekt den erneuten Besuch der Abgeordneten ausdrücklich. „Der Besuch von Frau Achterberg sollte ein Beispiel für die weiteren regionalen Abgeordneten aus dem Bundes- und Landtag sein, sich über die Auswirkungen ihrer Entscheidungen bei den Betroffenen direkt zu informieren“, so Leibbrand.

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